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Selomida Nerven

Ohne unsere Nerven könnten wir uns weder bewegen noch einen Gedanken fassen

Über Milliarden von Nervenzellen werden alle Körperfunktionen gesteuert. Der ganze menschliche Körper wird von einem gewaltigen Nervennetzwerk durchzogen. Nerven können wir uns als Leitungen oder vernetzte Datenautobahnen vorstellen, auf welchen ständig Botschaften zwischen einzelnen Nervenzellen ausgetauscht werden. Wenn beispielsweise eine Hand geschüttelt werden soll, wird ein faszinierender Vorgang über die motorischen Nerven angestossen: Erst erhalten die Nervenzellen im Hirn Reize. In Form von Impulsen werden diese blitzschnell vom Kopf über das Rückenmark an die Nerven und Muskeln der Hand weitergegeben und so eine willentlich gesteuerte Bewegung der Hand ausgelöst.

Andere Nerven sind für unsere Sinne und Empfindungen verantwortlich. Einerseits übermitteln sie uns über unsere Sinnesorgane Informationen über unsere Aussenwelt, andererseits werden auch unsere Gefühle von spezialisierten Nerven reguliert.

Kein Wunder also, wenn es im Volksmund vielfältige Beschreibungen rund um unsere Nerven gibt. Fühlt man sich beispielsweise überlastet und der nervlichen Anspannung nicht mehr gewachsen, ist man sprichwörtlich „mit den Nerven am Ende“.

Die Nerven bewahren

Sie sollten wie Drahtseile sein und liegen doch allzu oft blank: die Nerven. Gemeint sind die Milliarden Zellen, die den ganzen Körper durchziehen, Reize wahrnehmen und weiterleiten. Wenn es darum geht, die Nerven zu behalten, sind allerdings nicht diese organischen Zellverbände gemeint, sondern die Psyche. Dabei handelt es sich um die Gesamtheit des menschlichen Fühlens und Denkens. Beides ist eng mit dem organischen Nervensystem verbunden.

Die Nerven: sensible Vermittler

Bewusste Handlungen, aber auch unbewusste Vorgänge wie die Atmung oder der Herzschlag werden von den Nerven koordiniert. Sie bilden ein weitverzweigtes Geflecht aus zahlreichen Nervenfasern, die Informationen weiterleiten. Die einzelne Nervenzelle verfügt über zahlreiche Fortsätze, Dendriten genannt. Diese können Reize aus ihrer Umgebung aufnehmen. Über andere, bis zu einem halben Meter lange Fortsätze, die Axone, werden diese Impulse an andere Zellen weitergegeben. Innerhalb der Zelle wird der Reiz als elektrisches Signal übermittelt. Zwischen den Zellen hingegen sorgen chemische Botenstoffe für den Informationsaustausch.

Die Psyche: unbewusste Steuerung

Einige Aktivitäten können bewusst gesteuert werden, etwa das Sprechen oder die Bewegung. Diese Abläufe werden von dem sogenannten somatischen Nervensystem koordiniert. Andere Prozesse laufen unbewusst über das vegetative Nervensystem ab. Hierzu gehören beispielsweise der Blutdruck und der Herzschlag.

Die Psyche beeinflusst über das vegetative Nervensystem zahlreiche körperliche Vorgänge wie etwa die Atmung oder die Verdauung. Bei nervlicher Belastung wie etwa Stress, Sorgen oder Ängsten reagiert die Psyche empfindlich. So wird beispielsweise bei Stress vermehrt Adrenalin ausgeschüttet, das die Darmaktivität verändern kann. Als Folge können Verdauungsstörungen wie Verstopfung oder das Reizdarmsyndrom auftreten. Diese körperlichen Beschwerden, die von einer psychischen Belastung herrühren, werden als psychosomatisch bezeichnet.

Umfassende Vorsorge gefragt

Damit psychosomatische Krankheiten gar nicht erst auftreten, müssen die Nerven geschont werden. Dazu gehört, dass die individuellen Belastungsgrenzen akzeptiert werden. Momente der Ruhe beugen Reizüberflutungen vor. Entspannungsübungen, Yoga und bewusst eingeräumte Auszeiten entlasten die strapazierte Psyche und beugen innere Unruhe vor.

Reizbarkeit

Wenn die Nerven angespannt sind, erhöht sich schnell die Reizbarkeit. Licht, Geräusche und andere Umwelteinflüsse werden dann intensiver und als störend wahrgenommen. Eine erhöhte Reizbarkeit ist der Vorbote einer psychischen Überlastung und sollte entsprechend ernst genommen werden.

Das steckt hinter der Reizbarkeit

Reizbarkeit ist eine wichtige Eigenschaft des Körpers. Sie ermöglicht es, auf Umwelteinflüsse und im sozialen Miteinander zu reagieren. Ist die Wahrnehmung allerdings übermässig geschärft, kann schon ein kleines Nebengeräusch oder das eine Wort zu viel zur Belastung werden.

Eine gelegentliche Überreizung ist völlig normal. Sie tritt auf, wenn dem Gehirn kurzfristig wichtige Nährstoffe fehlen, etwa wenn zu viel Zeit zwischen zwei Mahlzeiten vergeht. Auch Schlafmangel oder eine hormonelle Umstellung, beispielsweise während der Menstruation oder der Wechseljahre, kann zu erhöhter Reizbarkeit führen. Hält sie an, sollte sie allerdings medizinisch abgeklärt werden. Reizbarkeit kann auch ein Anzeichen für eine Erkältung, für Diabetes oder eine andere Erkrankung sein.

Reizbarkeit und Psyche

Häufig führt eine psychische Belastung zu einer gereizten Stimmung. Druck am Arbeitsplatz, Stress im Alltag oder private Sorgen können das Gehirn überlasten. Wenn zu viele Aufgaben gleichzeitig erledigt werden möchten oder zu viele Gedanken durch den Kopf gehen, reagiert das Hirn gereizt. Zusätzliche Sinneseindrücke werden dann als störend empfunden. Sie führen zu einer Stressreaktion des Körpers. Die innere Unruhe nimmt zu, der Körper steht unter Strom – und Entspannung fällt immer schwerer.

Wege aus der Gereiztheit

Eine stressbedingte Reizbarkeit kann schnell in einen Teufelskreis führen. Sie erhöht ihre Ursache – den Stress – und setzt dem überlasteten Nervenkostüm immer mehr zu. Die angegriffene Psyche kann sich schliesslich in körperlichen Beschwerden bemerkbar machen. Um diese Spirale zu durchbrechen, sollte Reizbarkeit frühzeitig behandelt werden. Bevorstehende Aufgaben sollten realistisch organisiert werden. Dabei kommt es auch darauf an, eventuell übergrosse Erwartungshaltungen zu korrigieren. Vor allem aber sollte auch im grössten Stress auf regelmässige Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und genügend Auszeiten von der Hektik des Alltags geachtet werden.

Belastung

Egal, ob Stress im Büro, Familienfeiern oder der grosse Urlaub: Viele Anlässe können zu einer hohen Belastung werden. Oft genügt schon eine kleine Erschütterung im eng geplanten Familienalltag mit Arbeit, Kindern und Haushalt, um die Nerven zu strapazieren. Dann fällt es nicht immer leicht, genügend Energie für die täglichen Herausforderungen aufzubringen und alle Erwartungen zu erfüllen.

Überlasteter Geist – gefährdeter Körper

Die psychische Gesundheit hängt eng mit dem körperlichen Wohlbefinden zusammen. Über das vegetative Nervensystem nimmt die Psyche unbemerkt Einfluss auf viele Stoffwechselprozesse. Stress, Ängste und Sorgen können sich deshalb auch in körperlichen Beschwerden äussern. So kann eine psychische Belastung zu Schlafproblemen, Konzentrationsschwäche und Gereiztheit führen. Auch Kreislaufbeschwerden und Verdauungsstörungen treten häufig als Folge von psychischem Druck auf. Daraus können sich bei chronischen Belastungen weitere Beschwerden und komplexe Krankheitsbilder wie etwa das Reizdarmsyndrom entwickeln.

Hilfe bei grosser Belastung

Damit es gar nicht erst so weit kommt, muss der Körper ausreichend mit Vitalstoffen versorgt werden. Unter psychischer Anspannung verändert sich der Stoffwechsel, der Bedarf an Vitaminen und Mineralsalzen erhöht sich. Dadurch können sich Müdigkeit und Antriebslosigkeit einstellen. Eine abwechslungsreiche Ernährung beugt dem vor.

Mikronährstoffe können darüber hinaus die negativen Auswirkungen von psychischen Belastungen lindern. So bewahrt Vitamin D den Organismus vor der negativen Wirkung schädlicher Stoffwechselendprodukte, sogenannter freier Radikale. Das Coenzym Q10 unterstützt die Energiefreisetzung in den Zellen. Eisen hingegen optimiert den Sauerstoffhaushalt und beugt so Erschöpfung vor. Ist der Körper ausreichend mit diesen und anderen Vitalstoffen versorgt, kann er eine psychisch anstrengende Phase besser überstehen.

Belastungen erfolgreich vorbeugen

Körper und Geist sind belastbarer, wenn sie durch einen gesunden Lebensstil gepflegt werden. Dazu gehört neben einer reichhaltigen Ernährung und ausreichend Bewegung auch ein regelmässiger Schlafrhythmus. Momente der Entspannung und eine interessante Freizeitgestaltung können ein guter Ausgleich für psychische Belastungen sein.

Um Stress zu vermeiden, sollten absehbare Herausforderungen möglichst langfristig geplant werden. Nimmt der Druck überhand, müssen eigene Belastungsgrenzen akzeptiert und kommuniziert werden. Bei Sorgen und Ängsten kann es hilfreich sein, diese offen anzusprechen, eventuell auch im Rahmen einer psychologischen Beratung.

Überlastung

Manchmal ist es einfach zu viel: Haushalt, Kinder und Arbeit, dazu vielleicht Sorgen um eine berufliche Deadline oder Beziehungsprobleme. Digitalisierung und Globalisierung haben die Welt beschleunigt. Allzu oft führt der alltägliche Druck zur psychischen Überlastung. Diese kann schwerwiegende Folgen für Körper und Geist haben.

Stress macht glücklich und krank

Akuter Stress hat eine positive Wirkung auf den Organismus. Die spontane Freisetzung von Energie sorgt für neue Motivation. Gehen dadurch die anstehenden Aufgaben besser von der Hand, stellt sich sogar ein Glücksgefühl ein.

Hält der Stress jedoch an und wird der Druck zum Dauerzustand, gerät der Stoffwechsel aus dem Lot. Die Folgen sind Nervosität und innere Unruhe, Angespanntheit und Reizbarkeit. In dieser Situation werden oft die falschen Vermeidungsstrategien angewandt. Was im Büro liegenbleibt, wird abends nachgeholt. Auf ausreichend Schlaf und regelmässige Mahlzeiten wird weniger geachtet. Freizeit und Entspannung müssen häufig erst einmal warten, bis beides immer mehr aus dem Tagesplan verschwindet. Körper und Geist fehlen dadurch wichtige Momente der Erholung. Zugleich nimmt im hektischen Alltag das Risiko für Bewegungsmangel und Fehlernährung zu. So schwinden die eigenen Ressourcen immer mehr. Erschöpfung, Konzentrationsschwäche und Antriebslosigkeit machen sich breit.

Abwärtsspirale Überlastung

Chronisch Gestresste haben ein erhöhtes Risiko für Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, beispielsweise mit Schlafmitteln. Auf diese Weise versuchen sie, der Überlastung Herr zu werden. Langfristig schwächt Stress das Immunsystem, Betroffene sind anfälliger für Infekte. Auch unspezifische Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen treten bei einer anhaltenden Überlastung häufiger auf. Gleiches gilt für Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Neue Studien deuten ausserdem darauf hin, dass chronischer Stress eine spätere Demenz begünstigt.

Überlastung vermeiden

Es gibt viele Möglichkeiten, chronischen Stress und seine schädlichen Folgen abzuwenden. Dazu gehört, Aufgaben realistisch zu planen und auf einen pünktlichen Feierabend zu achten. Neben ausgewogenen, in Ruhe eingenommenen Mahlzeiten beugt regelmässige Bewegung psychischer Überlastung vor. Daneben sind enge soziale Kontakte wichtig: Gemeinsam verbrachte Zeit sorgt für Entspannung und Glücksmomente.

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Schulstress

Der Schulalltag kann für viele Kinder eine grosse Herausforderung sein. Sowohl im Unterricht als auch bei den Hausaufgaben erfordert das tägliche Lernen viel Konzentration und Anstrengung. Der direkte Vergleich mit den Leistungen der Mitschüler kann einen negativen Konkurrenzdruck aufbauen, der durch Schulnoten noch verstärkt wird.

So verursacht die Schule schnell Stress, auch bei den ganz Kleinen. Sie müssen mit den ungewohnten Anforderungen erst noch umzugehen lernen. Zugleich kann die Frage, wie der Bildungsweg nach der Primarschule weitergeht, sehr belasten. Der Leistungsdruck entsteht dabei oft nicht nur durch die Anforderungen der Lehrer oder der Eltern. Die Kinder können auch unter den zu grossen Erwartungen, die sie selbst an sich stellen, leiden.

Druck im Schulalltag und seine Folgen

Eine übermässige Belastung durch den Schullalltag wirkt sich negativ auf die Stimmung und die körperliche Gesundheit des Kindes aus. Unlust, die Schule aufzusuchen oder die Hausaufgaben zu erledigen, kann ein erster Hinweis auf eine Überforderung sein. Anhaltender Stress führt häufig zu Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und Bauchweh. Der Stress und seine Folgen verändern das Verhalten des Kindes. Es zieht sich von Freunden zurück und wirkt eventuell ängstlich oder pessimistisch eingestellt. Nervosität, Traurigkeit und eine leichte Gereiztheit können ebenfalls auf Stress im Schulalltag hinweisen. Der Eindruck, den Anforderungen nicht zu genügen, führt nicht selten zu einem verminderten Selbstwertgefühl.

Schulstress vorbeugen

Damit das Kind den Belastungen im Schulalltag gewachsen ist, sollte der Tagesablauf klar strukturiert werden. Lerneinheiten müssen immer wieder von Freizeit unterbrochen werden. Um ausreichend Erholung zu gewährleisten, ist es wichtig, dass neben der Schule nicht allzu viele Aktivitäten geplant werden. Denn auch Musikschule, Sporttraining und Sprachkurs setzen das Kind unter Leistungsdruck. Stattdessen sollte immer wieder die Möglichkeit zur freien Freizeitgestaltung eingeräumt werden.

Beim Lernen wird das Kind aktiv unterstützt, indem Strategien zur Bewältigung der Aufgaben vermittelt werden. Hierbei können Tipps von Schul- oder Nachhilfelehrern helfen. Besonders wichtig ist eine feste soziale Bindung in der Familie und dem Freundeskreis. Sie kann dem Kind vermitteln, dass es akzeptiert und angenommen wird – ganz unabhängig von seinen Leistungen im Schulalltag.

Prüfungsangst

Eine bevorstehende Prüfung sorgt bei den meisten Menschen für Nervosität und innere Anspannung. Ein gewisses Mass an Aufregung ist sogar hilfreich, denn diese steigert die Konzentration. So kann alle Aufmerksamkeit auf die Prüfung gerichtet und ein bestmögliches Ergebnis erzielt werden. Doch wenn die Anspannung zunimmt, wird die Prüfungsangst schnell krankhaft.

Stressfaktor Prüfungsangst

Das Leben ist voll von Prüfsituationen. In der Schule, im Studium und in der Ausbildung lauern immer wieder Leistungskontrollen und Abschlussarbeiten. Aber auch im späteren Berufsleben stehen Prüfungen an, sei es bei Fortbildungen oder Umschulungen. Auch der Erwerb der Fahrerlaubnis, Vorträge oder die Präsentation von Projektergebnissen sind Prüfungen, die nervös machen können.

In all diesen Situationen sind Konzentration und eine gewisse Gelassenheit gefragt. Doch oft stellen sich schon lange vor der eigentlichen Prüfung Unruhe und eine erhöhte Reizbarkeit ein. Die Prüfungsangst äussert sich unter anderem in Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Verdauungsproblemen. Das Herz schlägt bis zum Hals und der Mund fühlt sich trocken an.

Mangelndes Selbstwertgefühl

Betroffene haben eine verzerrte Wahrnehmung. Sie überschätzen die Herausforderung, ihre eigenen Fähigkeiten erscheinen ihnen hingegen gering. Menschen mit Prüfungsangst sorgen sich weniger um die Folgen eines möglichen Scheiterns als um das Scheitern selbst. So befürchtet beispielsweise ein von Prüfungsangst geplagter Schüler nicht so sehr, dass ihm ohne Abitur ein Studienplatz verwehrt bleibt. Vielmehr graut ihm, durch sein Scheitern als Versager blossgestellt zu werden.

Hinter dieser Angst steckt meist ein negatives Erlebnis, das am Selbstbewusstsein nagt und immer wieder bestärkt wird. Positive Prüfergebnisse können nicht aus der Prüfungsangst führen, weil sie glücklichen Umständen zugeschrieben werden. Negative Leistungen hingegen führen Betroffene auf ihre vermeintliche Unzulänglichkeit zurück.

So kann die Angst überwunden werden

Bei moderater Prüfungsangst helfen Entspannungsübungen wie etwa Meditation oder Yoga. Betroffene sollten Zuspruch bei Freunden suchen und sich ihre Lernerfolge vor Augen führen, beispielsweise mit einer Liste zum Abhaken. Eine ausgewogene Ernährung und ein gleichbleibender Schlafrhythmus sichern die volle Leistungsbereitschaft auch in akuten Stresssituationen ab. Hält die Prüfungsangst an oder führt sie zu grossen Beeinträchtigungen, sollte psychologische Hilfe in Anspruch genommen werden.

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